3. Swiss-Open im Blinden-Showdown
Die Ausschreibung zum dritten Blinden-Showdown Swiss-Open-Turnier ist auf ein grosses Interesse gestossen: 26 Spielerinnen und Spieler aus der Schweiz und aus Deutschland haben sich für das Wochenende im IBZ Landschlacht angemeldet. Ganz besonders in den Halbfinal- und Finalspielen war das Niveau beachtlich.
Am Freitagabend ging es los mit etwas Regelkunde und mit einem Plausch-Gruppen-Wettkampf, der neben Showdown auch Blindenschiessen und Tischfussball mit beinhaltete. Das Blindenschiessen haben Einige zum ersten Mal kennen gelernt, und viele waren sehr begeistert. Geschossen wird dabei auf einer Infrarot-Anlage; ein akustisches Signal zeigt dem blinden Schützen an, wie gut er sich mit dem Gewehr im Ziel befindet (je höher der Ton, desto besser).
Etwas ernsthafter ging es dann ab Samstag zu und her. Beim Frauenturnier spielte zuerst jede gegen jede, es wurde also eine Vollrunde ausgetragen. Danach spielten die drei Frauen im unteren Tableau die Ränge fünf bis sieben aus, währenddem sich die ersten vier der Vorrunde für die Halbfinalspiele qualifizierten. Die beiden Schweizerinnen Zina Indermaur aus Egnach und Monika Büttiker aus Biel verloren trotz gutem Spiel ihre Halbfinalpartien, sodass das Endspiel zu einer rein deutschen Ausmarchung wurde. Die beiden Vereinskolleginnen aus Frankfurt am Main, Binka Naser und Eli Osewald, standen sich gegenüber. Die international erfahrene Spielerin Eli Osewald wurde ihrer Favoritenrolle gerecht und setzte sich in drei Sätzen durch (11:7, 8:12, 11:6). „Ich bin sehr froh, dass ich mich im Endspiel durchsetzen konnte. Auch schon hatten mir trotz Favoritenrolle die Nerven versagt, und auch heute war ich nervös, aber es hat am Schluss zum Glück geklappt“, so Osewald.
Bei den Männern wurde eine Qualifikation in drei Gruppen gespielt. Die Gruppen-Ersten und -Zweiten sowie die beiden besten Gruppen-Dritten qualifizierten sich für die Viertelfinalspiele. Bereits nach der Qualifikationsphase war es aufgrund der Disposition des Wettkampf-Tableaus absehbar, dass ein Schweizer Spieler und ein Spieler aus Deutschland im Endspiel stehen würden. Und so kam es dann auch: Im „Stuttgarter-Halbfinal-Duell“ setzte sich Christopher Aimé gegen seinen Kollegen Jens Schmitt durch, während im rein schweizerischen Halbfinale Thomas Häni aus Zürich gegen Daniel Schlosser aus Zollikofen bei Bern die Oberhand behielt. Wie schon zuvor bei den Frauen war auch das Finalspiel der Männer eine äusserst spannende Angelegenheit. Alle drei Sätze mussten ausgespielt werden. Währenddem der Zürcher Thomas Häni den ersten Satz mit 11 zu 4 noch für sich entscheiden konnte, verlor er den zweiten Satz mit 8 zu 6; dieser Satz wurde gemäss Turnierreglement nach 8 Minuten abgebrochen, weil zu vor noch niemand die 11 Punkte erreicht hatte. Dies zeigt, dass die Ballwechsel umstritten und hochstehend waren. Auch den dritten Satz konnte der 21 jährige Stuttgarter Christopher Aimé für sich entscheiden (12 zu 4). Auch er war überglücklich und stolz, das Turnier in Landschlacht zu gewinnen.
Beeindruckend an diesem Wettkampf war, dass auf der einen Seite erfahrene Spielerinnen und Spieler dabei waren. Auf der anderen Seite haben sich aber auch Viele angemeldet, die nur selten trainieren können. In der Schweiz gibt es ausser in Landschlacht (noch) keinen Showdowntisch. Und schliesslich gab es sogar mehrere Spieler, die vor diesem Wochenende noch gar nie gespielt hatten. So zum Beispiel der blinde Thomas Jäger (34) aus Trier: „Ich habe im Weihnachtsbrief des Internationalen Blindenzentrums Landschlacht von diesem Turnier gelesen. Obwohl ich keine genaue Vorstellung davon hatte, um was sich dabei handelt, sagte ich sofort zu meinen Eltern: ‚Lasst uns raus finden, um was es hier geht’. Und so haben wir uns im Internet schlau gemacht, und bald war klar, dass wir da hin wollen“. Und so spielte sogar Thomas Vater Wolfgang als Sehender am Turnier in Landschlacht mit (natürlich unter Dunkelbrille, wie es das Reglement vorsieht). Und übrigens: Thomas musste seine Fahrt in die Schweiz nicht bereuen, er hat als Sieger der Qualifikationsgruppe C sogar das Viertelfinale erreicht und somit einige Spieler hinter sich gelassen.
Nebst dem Kampf um jeden Punkt standen auch die Kameradschaft und der Austausch im Vordergrund. Viele Blinde und Sehbehinderte gaben sich gute Tipps, sei es was Taktik und Technik beim Showdown-Spiel angeht, oder seien es auch Ratschläge, die ganz generell mit den Herausforderungen und Freuden, die das Leben mit einer Sehbehinderten so mit sich bringen, zu tun haben.
Ein super erfreuliches Wochenende geht zu Ende, und die Teilnehmenden fahren zufrieden nach Hause. Dies einerseits dank der ausgezeichneten Ambiance und dank dem hervorragenden Einsatz aller Schiedsrichter (Hermann Schladt, Doris Blum, Michael Sieber) und der souveränen Leistung des Turnierleiters Max Bolliger.
Showdown – kurz erklärt….:
Das Spielfeld:
Der Sichtschutz in der Mitte verhindert, dass die Bälle gefährlich hoch fliegen können. Unter diesem Sichtschutz muss hindurch gespielt werden, sonst gibt’s einen Punkt für den Gegner.
Die Schläger:
Der Schläger wird mit einer Hand gehalten, die andere Hand hat im Spielfeld nichts zu suchen.
Der Ball:
Der Ball ist hörbar, etwas kleiner als faustgross.
Die Spieldauer:
Ein Satz dauert so lange, bis jemand 11 Punkte erreicht hat. Allerdings wird bis auf 16 Punkte gespielt, wenn vorher kein Spieler zwei Punkte mehr als der andere erzielt hat. Ein Satz dauert maximal 15 Minuten (oder je nach Turnier-Reglement auch weniger). Ein Spiel kann (je nach Turnierreglement über einen oder zwei Gewinnsätze (best of 3) gehen).
Das Tor:
Ein Tor ist dann gültig, wenn der Ball in der „Torschüssel“ landet. Ein Tor wird mit zwei Punkten belohnt.
Augen verbinden?:
Ja, wer mitspielt, tut dies unter einer Dunkelbrille, ganz unabhängig davon, ob er blind, sehbehindert oder sehend ist.
Mehr Infos:
►www.showdown-germany.de
►www.tischball.de
►Showdown-Infos des DBSV




alle Bilder: Doris Blum
Copyright © Internationales Blindenzentrum, Landschlacht